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Wolle und Schnee: roman / Ferreira de Castro; trad. Elfrieda Kaut [capa de Waldemar Dinkat] - Bremen: Carl Schünemann Verlag, 1954). - 318 p.; 21 cm. - Enc.
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Die
zwei Gesichter des heutigen Portugal, das ländlich-bäuerliche und das
industrielle, sind kaum einmal dem europäischen Leser in solcher
Eindringlichkeit und Plastik nahegebracht worden wie in diesem Roman, in dem sie
den in alles Geschehen unmittelbar einbezogenen Hintergrund für die zarte und
scheue Liebesgeschichte Horacios und Idalinas bilden. Horacio, der als Schäfer
sich den Lebensunterhalt verdient, hat während seiner Militärzeit das Leben in
den großen Städten gesehen; aber was er als Traum und Ziel mitgebracht hat in
die heimatlichen Berge, ist, einmal ein kleines weißes Haus zu besitzen, in dem
er mit Idalina und den Kindern, die er sich erhofft, glücklicher wird leben können
als es ihm in den verfallenden und verwohnten armseligen Hütten des Dorfes je möglich
scheint. Da er als Hirt es nie dazu bringen wird, versucht er mit Hilfe seiner
wenigen Beziehungen, in einer ein paar Wegstunden jenseits des Gebirges
gelegenen Spinnerei und Weberei unterzukommen. Erst wenn er dort genug verdient
hat, will er heiraten. Es dauert lange, Sommer und Herbst muß er noch Hirtc
bleiben, fern vom Dorf auf einer abgelegenen Alm mit der Sorge um das Wohl der
Tiere, den Unbilden einer erbarmungslosen Natur ausgeliefert, ein hartes und
einsames Leben, anders als Giono es schildert. Endlich glückt es, Horacio kann
als Lehrling in der Fabrik anfangen; die Menschen
dort sind ihm völlig fremd, vom Leben des Arbeiters, seinen Hoffnungen, Kämpfen,
seiner Not und dem Ende im Hospiz weiß er nichts, nichts vom Kampf zwischen der
Arbeiterschaft und den Fabrikanten. Schritt für Schritt werden diesem bäuerlichen
Menschen die Dinge vertrauter, allmählich vermag er die allgemeine Zurückhaltung
zu überwinden. Er heiratet. Lange und zäh hält er an seinem Traum von dem
kleinen Haus fest, bis er schließlich am Beispiel und Kampf seiner Kameraden
sieht, daß ein eigenes kleines Glück unwichtig ist bei der Not der anderen,
und er nun nicht nur die Arbeit am Webstuhl des alten Marreta übernimmt,
sondern auch dessen Glauben und Hoffnung weiterträgt in eine vielleicht bessere
Zukunft.
Ferreira
de Castro, ohne Vater groß geworden, kam mit zwölf Jahren auf einem
Auswandererschiff nach Brasilien, wurde von seinem Vormund in die Urwälder des
Amazonas zu den Kaut-schukzapfern geschickt und verbrachte dort drei Jahre unter
härtesten Entbehrungen und primitivsten Verhältnissen. Als er nach vielen
abenteuerreichen Jahren schließlich nach Portugal zurückkehrte, wurde er,
besessen vom Drang, dem Ausdruck zu geben, was er gesehen, gespürt und erlebt
hatte, zunächst Journalist, begann neben den Reportagen aber auch Romane zu
schreiben (Die Kautschukzapfer, Der Auswanderer u. a.), in deren Mittelpunkt das
steht, was ihm ans Herz gegriffen hatte: das schwere Leben des einfachen Mannes.
Er schildert es ohne alle großen Worte, aber er schildert es so, daß man in
Portugal und in Brasilien dieses in viele Sprachen übersetzte Buch „"Wolle
und Schnee" für sein bestes hält.
CARL
SCHÜNEMANN /VERLAG / BREMEN
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